Ferdinand Hodler malte 1908 seinen kraftvollen Holzfäller als Auftragsarbeit für die Schweizerische Nationalbank. Wer es mit den Augen von modernen Forstfachleuten betrachtet, sieht von Kopf bis Fuss eine einzige grosse Sicherheitslücke. Zum Glück sind Normen heute in der Waldarbeit nicht mehr wegzudenken.
Kein Helm, keine Chance
Beginnen wir oben. Hodlers Held schwingt die Axt kraftvoll, trägt dabei aber keinen Helm. Leichtsinnig, denn die Forstwirtschaft weist in der Schweiz die höchste Berufsunfallrate auf. Heute schützt der obligatorische Helm [SN EN 397:2025] den Waldarbeiter vor herabfallenden Ästen, der Gesichtsschutz die Augen vor Splittern und der integrierte Gehörschutz [SN EN 352-3:2021] vor Überbelastung.
Waldarbeit: Ohne Schnittschutz, ohne uns
So romantisch die Szenerie wirkt: Heute fällt man Bäume mit Kettensägen. Deswegen muss der Handschuh mindestens 120 Millimeter Schutzbereich am Handrücken aufweisen [SN EN ISO 11393-4:2020] und mit Schnittschutzlagen ausgestattet sein. Diese bestehen aus Fasern, die sich beim Kontakt mit einer laufenden Kettensäge blitzartig spreizen und das Sägeblatt bremsen. Auch Hosen, Jacken oder Gamaschen enthalten diese zuverlässige Notbremse.
Ein Forstschuh, ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem
Vom Frühstückstisch direkt in den Wald? So sieht zumindest das Schuhwerk unseres Holzfällers aus. Heute unvorstellbar. Je höher die Kettengeschwindigkeit der Säge ist, desto höher die Schutzklasse bei den Schuhen [SN EN ISO 17249:2014]. Die Sohle muss ausserdem Temperaturen von 300 Grad Celsius standhalten und darf auf nassem Waldgrund nicht wegrutschen. Deshalb ist jede einzelne Schicht des Schuhs separat zertifiziert [SN EN ISO 11393-3:2019].
Keine Bremse, kein Erbarmen
Die tragbare Kettensäge [SN EN ISO 11681-1:2022] hat die Axt schon lange verdrängt. Damit das Baumfällen nicht im Unglück endet, sind Rückschlagverhalten und Bremssysteme genau geregelt. Sogar für Lärm und Vibrationen gibt es Grenzwerte. Zudem schreibt die SUVA eine Ausbildung für den richtigen Umgang mit diesem gefährlichen Werkzeug vor. Was für Hodler damals vielleicht unvorstellbar war: Heute übernehmen je nach Gelände und Einsatz bereits selbstfahrende Forstmaschinen [SN EN ISO 11850:2012] Teile der gefährlichen Arbeit.
Der Baum ist gefällt, die Gefahr bleibt bestehen
Im Bild steht der Baum noch. Doch wenn er fällt, beginnt die nächste heikle Phase: der Abtransport: Ob mit Seilwinden, Chokerketten und Umlenkrollen [SN EN 17822:2023] oder im typischen steilen Gelände der Schweiz mit einem Seilkran [SN EN 16517:2022] – der Stamm muss sicher aus dem Wald zur verarbeitenden Industrie gelangen. Jedes Jahr erntet die Forstwirtschaft rund 5 Millionen Kubikmeter Holz. Genug, um rund 80’000 Einfamilienhäuser in Holzbauweise [SN EN 13986+A1:2015] zu bauen.
Der häufigste Baum ist die Fichte. Die Profis entscheiden bereits im Wald beim Sortieren nach Qualitätsstufen [SN EN 1927-1:2008], was aus dem Baum wird: Möbelstück, Parkettboden oder Brennholz.
Würde Hodlers Modell heute die Waldarbeiter und Forstmitarbeitenden beobachten, wäre es sicherlich beeindruckt vom sichtbaren und unsichtbaren Schutz der Normung. Was früher auf Intuition und Tradition beruhte, stützt sich heute auf Erfahrungen, Fachwissen und ein sorgfältiges Regelwerk. So bleibt der Wald für alle ein sicherer Arbeitsplatz.
Quellen:
SNV | snv.ch
Kunstmuseum Luzern | Hodlers Holzfäller
SRF | Suva-Statistik: Das sind die zehn gefährlichsten Branchen der Schweiz
