Der Bildungssektor gehört zu den am stärksten von schwerwiegenden E-Mail-basierten Angriffen wie Ransomware und Kontoübernahmen betroffenen Branchen. Das zeigt eine neue internationale Umfrage von Barracuda unter 2000 IT- und IT-Sicherheitsverantwortlichen in den USA, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum, darunter 113 Befragte aus dem Bildungssektor.
38 Prozent der Befragten aus dem Bildungsbereich berichteten von Ransomware-Vorfällen, die ihren Ausgangspunkt in E-Mails hatten. Damit gehört der Bildungssektor zu den Branchen mit dem höchsten Anteil; im branchenweiten Durchschnitt lag dieser bei 28 Prozent. Bei Kontoübernahmen verzeichnete der Bildungssektor mit 27 Prozent den höchsten Anteil, verglichen mit 20 Prozent im branchenweiten Durchschnitt.
Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Befragten aus dem Bildungsbereich gaben an, dass ihre Einrichtung in den vergangenen zwölf Monaten einen E-Mail-Sicherheitsvorfall erlebt hat. 34 Prozent berichteten, Phishing-Angriffe erfolgreich erkannt und blockiert zu haben. Gleichzeitig gaben Befragte aus dem Bildungsbereich viermal häufiger als der Durchschnitt aller Befragten an, nicht feststellen zu können, ob ihre Einrichtung von einem E-Mail-Sicherheitsvorfall betroffen war. Diese Unsicherheit deutet darauf hin, dass einige Angriffe möglicherweise unentdeckt geblieben sind.
Die Herausforderungen für Bildungseinrichtungen gehen damit über die Abwehr von Phishing hinaus. Entscheidend ist, Vorfälle schnell zu erkennen, zu untersuchen und einzudämmen, bevor Angreifer ihre Aktivitäten ausweiten und daraus schwerwiegendere Sicherheitsvorfälle wie Ransomware oder Kontoübernahmen entstehen.
Hohes Phishing-Aufkommen im Bildungssektor
Separate Bedrohungsdaten von Barracuda Research verdeutlichen das hohe Phishing-Aufkommen, dem Bildungseinrichtungen ausgesetzt sind. Über einen Zeitraum von drei Monaten analysierte Barracuda die Bedrohungsdaten von 536 Bildungseinrichtungen weltweit und identifizierte 58,8 Millionen Phishing-E-Mails. Das entspricht durchschnittlich rund 1.200 Phishing-E-Mails pro Einrichtung und Tag. Angreifer nutzen zunehmend KI, um ihre Phishing-Methoden zu verfeinern. Für Sicherheitsteams wird es daher immer schwieriger, jede bösartige E-Mail zu erkennen und zu blockieren.
Verzögerte Reaktion erhöht das Risiko einer Eskalation
Auch die Umfrage legt nahe, dass Bildungseinrichtungen Schwierigkeiten damit haben, Angriffe, die die ersten Schutzmassnahmen überwinden, schnell genug zu untersuchen und einzudämmen. Dadurch steigt das Risiko einer weiteren Eskalation. Verzögerungen bei der Reaktion verschaffen Angreifern zusätzliche Zeit, ihren Zugriff auszuweiten und die potenziellen Auswirkungen eines Angriffs zu vergrössern.
Bei der Reaktion auf Sicherheitsvorfälle und der Wiederherstellung des normalen Betriebs zeigen sich ebenfalls Herausforderungen. Knapp ein Fünftel (18 Prozent) der befragten Bildungseinrichtungen benötigt bis zu einer Woche, um nach einem Vorfall den normalen Betrieb wiederherzustellen. Das ist doppelt so viel wie der branchenübergreifende Durchschnitt von 9 Prozent und zugleich der höchste Wert aller untersuchten Branchen.
Fehlende Ressourcen und Expertise erschweren schnelle Reaktion
Als Ursachen, die zu Sicherheitsvorfällen beitragen, nannten die Befragten aus dem Bildungsbereich überdurchschnittlich häufig Nutzerverhalten und menschliches Versagen: 53 Prozent gegenüber 48 Prozent im branchenweiten Durchschnitt. Gleichzeitig zeigen sich Herausforderungen innerhalb der Security Operations. 36 Prozent der Befragten aus dem Bildungssektor berichteten von einem Mangel an Fachwissen bei der Reaktion auf Vorfälle und bei Entscheidungen unter Zeitdruck. 33 Prozent gaben an, dass eine schnelle Reaktion während laufender Vorfälle schwierig sei.
Fehlen Sicherheitsteams die Kapazitäten oder das Fachwissen, um Vorfälle schnell zu untersuchen, auf sie zu reagieren und ihre Folgen zu beheben, gewinnen Angreifer wertvolle Zeit, um ihren Zugriff auszuweiten und dadurch die potenziellen Auswirkungen eines Angriffs zu vergrössern. Auf die Frage, welche Massnahmen die Sicherheit ihrer Einrichtung am meisten verbessern würden, nannten 41 Prozent der Befragten aus dem Bildungssektor vertrauenswürdige, KI-gestützte Tools zur Erkennung und Untersuchung von Bedrohungen. Im branchenweiten Durchschnitt waren es 32 Prozent – damit erreicht der Bildungssektor auch hier den höchsten Wert aller untersuchten Branchen.
„Bildungseinrichtungen verarbeiten ein grosses Volumen an für Cyberkriminelle potenziell wertvollen Daten und verfügen oftmals nur über begrenzte Sicherheitsressourcen. Damit sind sie einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen dies noch einmal und zeigen insbesondere, dass die Untersuchung, Eindämmung und Wiederherstellung nach Vorfällen im Bildungssektor oftmals länger dauert als in anderen Branchen», sagt Jesus Cordero-Guzman, Director Solution Architects EMEA, Office of the CTO, bei Barracuda Networks.
Und er sagt weiter: «Zeit ist dabei jedoch die kritische Komponente und Prävention ist nur die halbe Miete: Je kürzer die Zeit zwischen Erkennung und Wiederherstellung, desto geringer ist das Risiko, dass alltägliche E-Mail-Bedrohungen zu schwerwiegenden Sicherheitsvorfällen eskalieren. Integrierte, KI-gestützte Sicherheitslösungen können überlastete Teams entlasten, sie bei Entscheidungen während eines Vorfalls unterstützen und die Reaktionszeiten verkürzen“.
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