Die Diskussion von Datenhoheit und Digitale Souveränität ist in den vergangenen Wochen abgeflacht – aber bei Weitem nicht gelöst oder abschliessend beantwortet.
In diesem Kontext hat GreenPT unlängst 514 deutsche KI-Unternehmen untersucht. Das Ergebnis: 53 Prozent setzen mindestens einen US-amerikanischen Frontier-Anbieter ein. OpenAI (41 %), Google/Vertex AI (20 %), Anthropic (18 %) stecken tief im Stack. Von den 173 Anbietern, die aktiv mit digitaler Souveränität, EU-Hosting oder deutscher Datenhaltung werben, nutzen gut vier von zehn trotzdem US-Modelle.
Für Roland Stritt, CRO bei Münchner Technologieanbieter FAST LTA liegt der Schluss nahe: „Ein EU-Serverstandort schützt nicht vor dem US CLOUD Act. Dieser verpflichtet amerikanische Anbieter, Daten auf behördliche Anordnung herauszugeben. Unabhängig davon, ob der Server in Virginia oder Frankfurt steht. Der EU Data Act verschärft das noch: US-Anbieter stecken jetzt strukturell zwischen US-Pflicht zur Herausgabe und EU-Pflicht zur Verweigerung. Ein Versprechen, das keiner einhalten kann.»
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Datenhoheit und digitale Souveränität: Appliance-Ansatz
Ein Ausweg seien Umgebungen, in denen Unternehmen lokales Inferencing auf ihrer eigenen Hardware betreiben. So blieben Modelle unter ihrer Kontrolle ohne US-Anbieter in der Architektur: Off-Cloud KI aus der eigenen, regulierten Region. «Eine solche On-Premises-Appliance für generative KI im eigenen Rechenzentrum kann Unternehmenswissen über einen KI-Assistenten nutzbar machen, ohne Prompts, Dokumente oder Nutzeranfragen an externe Cloud-Dienste zu übertragen», sagt Stritt. «Sinnvoll sind solche Systeme für Unternehmen, die interne Datenbestände mit KI erschliessen wollen, dabei aber Datenschutz, Zugriffsrechte und Nachvollziehbarkeit unter Kontrolle behalten müssen.»
Wichtig sei dabei die Rechteprüfung. «Idealerweise integriert ein solches System AD/LDAP vollständig und unterstützt LDAP sowie Single Sign-on für die Authentifizierung. Nutzer erhalten somit nur Antworten auf Basis von Inhalten, für die sie bereits Leserechte besitzen. Damit wird eines der zentralen Risiken bei Enterprise-KI adressiert: Eine KI darf vorhandene Berechtigungen nicht umgehen, sonst wird aus Wissensmanagement schnell ein Datenleck. Der Appliance-Ansatz ist für Organisationen interessant, die lokale KI nutzen möchten, sich aber nicht selbst um Hardware-Auswahl, GPU-Integration, Storage, Vektordatenbank, LLM-Stack und Konnektoren kümmern wollen», so Roland Stritt.
