Samstag, 18. April 2026
Anzeige

Als erstes möchten wir Sie darauf hinweisen, dass dieser Artikel und dieser Film nichts für schwache Nerven sind. Wer noch nichts gegessen hat, könnte ins Straucheln kommen, und wer schon gegessen hat, könnte… naja. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, wie man richtig Erste Hilfe für eine starke Blutung leistet. Denn Zeit zum Überlegen und Googeln bleibt kaum.

Wenn man eine grosse Menge an Blut sieht, Blut spritzt oder der Patient (wir gehen wie im Film von einem Mann aus) in einer Blutlache liegt, dann kann man von einer starken Blutung sprechen. Oder wie es Willem van Waasbergen von der SanArena Rettungsschule sagt: «Wenn der Patient in wenigen Minuten zu wenig Blut hat, dann ist das eine starke Blutung. Erste Hilfe ist jetzt absolut dringend.»

«Stop the bleeding»: Sofortige Kompression der lebensbedrohlichen Blutung

Dabei hat der Eigenschutz immer oberste Priorität. Dazu gehört, dass man immer mit Handschuhen arbeiten muss. «Erst dann beginnen wir mit der Behandlung des Patienten», sagt Willem van Waasbergen. Der Patient sollte sich hinsetzen oder hinlegen, damit er nicht umfällt, und das blutende Körperteil hochlagern. «Und dann gilt es, die Blutung zu stoppen – mit der Hand oder mit einem saugfähigen Tuch, einem Schal oder einer Jacke immer fest auf die Wunde drücken. Das kann auch der Patient selbst machen, während man weiteres Erste-Hilfe-Material holt».

Anzeige

Starke Blutung: Druckverband, Tourniquet oder direkter Druck auf die Wunde

Wenn es möglich ist, sollte man nun rasch einen Druckverband anbringen. Ist das nicht möglich – beispielsweise, weil der Achsel-, Leisten- oder Halsbereich betroffen ist, weil die Wunde zu massiv blutet oder weil Körperteile amputiert wurden – muss man weiter direkten Druck auf die Wunde ausüben. Nun kann auch ein Tourniquet helfen. «Die Anwendung eines Tourniquets muss allerdings geübt sein, und zwar viel und regelmässig», sagt Willem van Waasbergen. «Man setzt es hoch an, unter der Achsel oder an der Leiste, und dreht es fest an.»

Und das soll man bitte nur mit einem Tourniquet tun, allenfalls mit anderen improvisierten und eindrehbaren Alternativen, aber auf keinen Fall mit einem Gürtel. «Mit ihm hält man die Arterie nicht geschlossen und produziert einen Venenstau, wie man das bei einer Blutentnahme macht», sagt Willem van Waasbergen. «Das heisst, der Patient blutet nur noch viel mehr. Da habe ich schon schlimme Sachen gesehen.»

Anzeige

In einem Bürobetrieb, wo ein Papierschnitt die maximal mögliche Schnittverletzung ist, brauche man wohl kein Tourniquet. Aber in Betrieben wie Metzgereien, wo mit Messern gearbeitet wird, oder in Produktionsbetrieben, wo schwere Verletzungen durchaus vorkommen, könne man sich die Anschaffung von Tourniquets und solche Trainings durchaus überlegen.

Auf den Rettungsdienst warten

Bei starken Blutungen muss der Patient ins Spital, egal ob ein Druckverband oder ein Tourniquet angebracht werden konnte. Er braucht professionelle Hilfe. «Am besten alarmiert man die Notrufnummer 144 sofort, lieber früher als später», sagt Willem van Waasbergen. Und dann wartet man auf den Rettungsdienst, anstatt den Patienten selbst ins Spital zu bringen. Der Rettungsdienst kann ihn in das richtige Spital fahren oder fliegen, das auf die jeweilige Verletzung spezialisiert ist.

Während die Ersthelfer:innen warten, sollten sie weiter mit den Fachleuten der Notrufnummer 144 sprechen und den Patienten überwachen. «Am besten stellt man den Lautsprecher des Telefons ein, legt es neben sich hin und lässt sich beraten», sagt Willem van Waasbergen.

Über die Ohnmacht und die Sache mit dem Blut sehen

Wenn Patienten plötzlich das Bewusstsein verlieren, gilt für Ersthelfer:innen weiterhin, vor allem die starke Blutung zu stillen. Wenn der Patient atmet, kann man ihn in die stabile Seitenlage bringen – wenn er nicht mehr atmet, muss man mit der Reanimation beginnen.

Manche Ersthelfer:innen haben Mühe damit, Blut zu sehen – ganz besonders, wenn es viel Blut ist. «Dann muss man Hilfe beiziehen oder dem Patienten sagen, er müsse selbst auf die Wunde drücken», sagt Willem van Waasbergen. «Es kann allen passieren, dass sie mal kein Blut sehen können, sogar den Profis im Rettungsdienst. Das ist auch keine Schande. Viele Faktoren können das beeinflussen.»

Üben: vor Ort oder in der Töffgarage auf dem SanArena Parcours

Um sich auf die Erste Hilfe bei starken Blutungen vorzubereiten, helfe nur Übung. Man könne sich überlegen, solche Szenarien im eigenen Betrieb zu üben. «Man merkt dann, wo man das Material holen oder wo man Patienten hinsetzen kann. Wir kommen gerne vorbei, Material haben wir genug», sagt Willem van Waasbergen. Und: «Wir bei der SanArena Rettungsschule haben auf unserem Parcours gute Setups, um solche Szenarien in Ruhe durchzugehen und anhand von Fallbeispielen sehr realistisch zu üben.»

Apropos: Die Filmaufnahmen in diesem Beitrag stammen aus dem neuen Raum «Töffgarage» des Parcours der SanArena Rettungsschule.

Teilen:

Chefredaktor safety-security.ch / CEO bentomedia GmbH / Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Betriebssanität SVBS / SFJ-Award für Qualitäts-Fachjournalismus

Kommentar schreiben


Exit mobile version