Welche bemerkenswerte Reise hat die kleine Kaffeebohne wohl hinter sich, bis sie hier frisch gemahlen wird? Es sind Tausende von Kilometern und zahlreiche standardisierte Qualitätskontrollen und Normen. Begleiten wir sie.
Kaffeekirschen wachsen monatelang an Sträuchern, bis sie reif sind. Erntehelferinnen und -helfer sortieren unreife und beschädigte Kirschen [ISO 10470:2004] laufend aus, das schützt Sie vor bitteren Aromen in Ihrer Tasse. Sauberes Wasser, hygienische Arbeitsweisen und kontrollierte Prozesse sind entscheidend für ein genusstaugliches Lebensmittel [SN EN ISO 22000:2018]. Die beliebteste Sorte Arabica wächst in Höhenlagen zwischen 600 und 2’200 Metern. Und wo später «100 % Arabica» draufsteht, steckt auch wirklich nur die edle Bohne drin [SN EN 18003:2024].
Von der Kirsche zur grünen Bohne
Nach der Ernte legen die Arbeitenden das Innere der Frucht frei, waschen und trocknen es. Ein sensibler Schritt: Ist die Bohne zu feucht, droht Schimmel; ist sie zu trocken, leidet die Qualität. Deshalb messen Labore den Feuchtigkeitsgehalt standardisiert bei 105 °C [ISO 6673:2025]. Er liegt zwischen 11 bis 13 Prozent und verhindert, dass verdorbene Bohnen Ihren Morgenkaffee ruinieren. Die Kontrolleure prüfen weiter den Insektenbefall [ISO 6667:1985] sowie Grösse, Form und Farbe der Bohnen. Nur einwandfreie Bohnen schaffen es auf das Containerschiff.
Eine klimatisierte Seefahrt
Damit die Qualität auf der langen Reise nicht leidet, gibt es hohe Ansprüche an die Container: Sie bestehen aus schadstofffreien Materialien [SN EN ISO 10855-Reihe], sind luftdicht versiegelt und feuchtigkeitsbeständig. Einige haben sogar isolierte Wände, die Temperaturschwankungen ausgleichen. Ist die Kaffeebohne für Europa bestimmt, landet sie meistens im Hamburger Hafen. Damit alle ihren Weg lückenlos verfolgen können, trägt jeder Container einen eigenen Pass [SN EN ISO 6346:2022].
Die heimliche Kaffee-Weltmacht
Nach der Ankunft in der Schweiz ziehen die Importeure erneut Proben [ISO 6666:2011]. Obwohl wir keine Kaffeeplantagen haben, spielen wir im internationalen Kaffeehandel eine zentrale Rolle: Wir wickeln 70 bis 80 Prozent des weltweiten Rohkaffeehandels ab, nämlich 130 Millionen Säcke jährlich. Überraschend, oder?
Die Welt schätzt ebenfalls unsere Röstkompetenz. In der Rösterei verwandelt sich die grüne Bohne bei 180 bis 220 Grad Celcius in das aromatische Produkt, das wir lieben. Je dunkler die Röstung, desto kräftiger der Geschmack [ISO 20481:2008]. In Spezialverpackungen [SN EN 1186-Reihe], in die kein Sauerstoff eindringt, bewahrt der Kaffee sein Aroma bis zur Zubereitung.
Der perfekte Moment
Der Barista holt Sie aus Ihren Tagträumen zurück: Ihr Café Crème steht bereit. Er ist eine Schweizer Erfindung und das beliebteste Kaffeegetränk hierzulande. Sie geniessen bewusst den ersten Schluck. 1’068 weitere Tassen könnten dieses Jahr folgen. So viele Tassen trinken Schweizerinnen und Schweizer im Durchschnitt. Normen, zahlreiche standardisierte Tests sowie Kontrollen und eine reibungslose internationale Zusammenarbeit sorgen dafür, dass jede dieser Tassen ein erstklassiger Genuss wird.
Quellen:
Procafé | Kaffeewissen
snv.ch
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