Victor Larché hat zwei Jobs – er ist Experte in Notfallpflege und arbeitet auf der Notfallstation im Bürgerspital Solothurn, gibt sein Wissen aber auch in Kursen der SanArena Rettungsschule an Ersthelfende weiter. So verbindet er das Beste aus beiden Welten – und profitiert davon, wenn er dank Ersthelfer:innen seine Rolle in der Rettungskette noch besser und erfolgversprechender wahrnehmen kann.
Victor Larché arbeitet seit über 25 Jahren auf der Notfallstation, zuerst fünf Jahre Kindernotfallstation und dann 20 Jahre auf der Erwachsenen-Notfallstation. Seit rund fünf Jahren macht er das am Bürgerspital in Solothurn.
Der Job gefällt ihm auch heute noch. «Kein Tag ist wie der andere», sagt er. «Es ist abwechslungsreich, auch wenn es immer sehr anspruchsvoll ist und man auch sicher an seine eigenen Grenzen stösst. Es ist immer hochinteressant, die Patienten zu verfolgen und herauszufinden, wo das Problem liegt. Das ist Teamarbeit, aber man arbeitet auch allein. Das Business der Notfallmedizin ist irrsinnig abwechslungsreich und spannend.»
Wie auf den meisten Notfallstationen teilt sich seine Aufgabe hier in drei Bereiche auf: Triage, Schichtleitung und Notfallpflege direkt am Patientenbett. Bei der Triage geht es darum, die Dringlichkeit zu erkennen, wo das Problem liegt, wo der Schuh drückt. Als Schichtleiter weist er den Patienten Pflegepersonen zu, nimmt Anrufe des Rettungsdienstes entgegen, kommuniziert mit Ärzten und entscheidet über personelle Ressourcen. «Die Haupttätigkeit ist aber bestimmt die Arbeit mit den Patienten», sagt er. «Das reicht von der Blutentnahme über ein EKG oder Ultraschall bis hin zu Röntgenaufnahmen. Wir begleiten die Patienten im Behandlungsprozess.»
Wissen an Ersthelfer:innen weitergeben – in Kursen bei der SanArena Rettungsschule
Es war ein langer Prozess, bis er entschied, sein Wissen und seinen breiten Erfahrungsschatz aus der Notfallpflege auch an Ersthelfer:innen weiterzugeben. «Aber es war retrospektiv bestimmt eine meiner besten Entscheidungen», sagt Victor Larché. «Ganz viel, was ich hier im Spital habe, fällt dann weg. Ich habe kein EKG, keine Ärzte, keine Blutentnahme – und trotzdem bin ich leistungsfähig. Und da unterscheide ich mich als Experte fast nicht von den Ersthelfenden. Wenn ich am Bahnhof bin und jemand zusammenbricht, habe ich genau die selben Ressourcen zur Verfügung wie die Ersthelfer:innen auch.»
Der Wissensstand der Ersthelfenden unterscheide sich natürlich, je nach Ausbildung, «und es wäre unfair, das zu vergleichen», sagt Victor Larché. «Aber gerade in den Kernthemen, dem Basic Life Support, sind sie sehr stark. Sie sind sehr wissbegierig und setzen alles in hohem Masse gut um. Das kommt mir auch in der Rettungskette zugute, wo ich viel zu spät komme, nach Ersthelfenden, First Respondern und Rettungsdienst. Die Interventionen – besonders bei einer Reanimation – können wir definitiv länger und erfolgversprechender gestalten, wenn Ersthelfende vor Ort frühzeitig handeln. Ersthelfer:innen sind matchentscheidend. Deshalb ist es wichtig, dass wir sie ausbilden.»
Er bildet sie bei der SanArena Rettungsschule aus. Dort gefällt ihm vor allem, dass es professionelle Lehrpersonen hat, die wissen, wovon sie sprechen und authentisch sind. «Sie haben nicht nur etwas gelesen oder eine Studie beigezogen, sondern sie haben das erlebt», sagt er. «Sie wissen, was im Lehrbuch steht und wie sich das in der Praxis verhält. Das erzeugt Glaubwürdigkeit.»
Herausforderungen und Victor Larché’s Tipps für die Erste Hilfe
Auch Victor Larché kennt Momente, in denen er an seine Grenzen kam. «Am Anfang war ich jung und dynamisch und wollte alles sehen und erleben», erzählt er. «Heute bin ich einen Punkt weiter und kann gewisse Dinge auch delegieren, wenn ich der Meinung bin, dass andere da mehr Kompetenzen haben. Es ist wichtig, seine eigenen Grenzen zu kennen. Manchmal muss man über diese hinaus, weil die Ressourcen fehlen, aber letztlich sagen wir auch den Ersthelfer:innen: ‘Speak up’, wenn du an deine Grenzen kommst.»
Sein wichtigster Tipp für Ersthelfende: «Keep it simple. Das ist das Allerwichtigste. Wir Erwachsenen denken häufig viel zu weit und zu komplex. Im Erste-Hilfe-Bereich ist das oft hinderlich. Wir möchten erreichen, dass die Ersthelfenden handlungsfähig bleiben. Das schaffen wir nicht, wenn es extrem kompliziert ist, sondern wenn die ersten Schritte einfach gehalten werden. Dann kommt der Rest von allein.»
