Montag, 23. Februar 2026
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Ein Unfall auf einem landwirtschaftlichen Betrieb ist erstens nicht gerade selten und hat zweitens häufig dramatische Folgen. Die Software safely soll unterstützen und Prävention und Arbeitssicherheit in der Landwirtschaft einfacher und effizienter machen. Deshalb ging die BUL mit der Branchenlösung agriTOP eine mehrjährige Partnerschaft mit safely ein. Was die Software in der Praxis tatsächlich vereinfacht, haben wir uns im Biogemüsebaubetrieb Bioleguma angeschaut.

Die Landwirtschaft gehört zu den unfallträchtigsten Branchen in der Schweiz. «Es gibt pro Jahr in den UVG-Betrieben rund 3000 meldepflichtige Unfälle», sagt Benedikt Hellermann, Sicherheitsingenieur bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft – kurz BUL. «Das heisst, betroffene Mitarbeitende sind mindestens drei Tage lang nicht am Arbeitsplatz. Von diesen 3000 Unfällen sind rund 200 schwer, teilweise mit Amputationen von Körperteilen. Leider gehen auch durchschnittlich zwei Unfälle pro Jahr tödlich aus.»

Die positive Nachricht: das Fallrisiko verbesserte sich über die letzten zehn Jahre, seit 2014 ging es um knapp 20 Prozent zurück. «Vor zehn Jahren gab es auf 100’000 Vollbeschäftigte rund 17 tödliche Unfälle, 2024 waren es nur noch sieben», sagt Benedikt Hellermann. «Aber das Risiko, schwer verletzt zu werden, ist in der Landwirtschaft weiterhin hoch, rund doppelt so hoch wie im gesamtschweizerischen Durchschnitt. Die Landwirtschaft bleibt eine Hochrisikobranche.»

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Vom menschlichen Leid bis zur Last langer Gerichtsverfahren

Ein schwerer oder sogar tödlicher Unfall ist ein Schicksalsschlag für jeden Betrieb. «Die schwerverletzte Person hat mit körperlichem Leid zu kämpfen», sagt Hellermann. «Auf dem Betrieb fehlt die Arbeitskraft, aber die Arbeit geht weiter, die Tiere müssen versorgt, die Felder bestellt werden. Neben dem ganzen menschlichen Leid geht es für den Betrieb rasch auch um Existenzfragen.»

Die finanziellen Folgen sind nicht zu unterschätzen. Raschist die Polizei und Staatsanwaltschaft vor Ort und wenn hinsichtlich der Arbeitssicherheit nicht alles in Ordnung war, folgen Gerichtsprozesse, die mehrere Jahre andauern können. «Das ist eine sehr grosse Last», sagt Benedikt Hellermann, «deshalb ist es viel einfacher, von Anfang an in die Prävention zu investieren.»

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Gefährdungen in der Landwirtschaft: omnipräsent und breit gefächert

Rolf Etter ist Teilinhaber der Betriebsgemeinschaft Bioleguma. «Wir haben einen relativ komplexen Biogemüsebaubetrieb mit drei Standorten, arbeiten auf rund 100 Hektaren Fläche im Umkreis von 16 Kilometern und mit 18 Kulturen», sagt er. «Wir haben 5,5 Hektaren Gewächshäuser und Folientunnels und zirka 60 Hektaren Gemüseanbau. In der Hochsaison von Mai bis September arbeiten insgesamt fast 100 Menschen hier, im Winter sind es 50 bis 60. Sie sprechen viele verschiedene Sprachen, was die Kommunikation sehr herausfordernd macht.»

Auf diese Mitarbeitenden lauern überall Gefahren. Die grössten gehen von Fahrzeugen und Maschinen aus – Rolf Etter spricht von Zapfwellenschützen, von Rückfahrten, von Staplerarbeiten, von Einklemmen, Sturzgefahren oder fallenden Gebinden, aber auch von Fahrzeugen mit defekten Beleuchtungen. «So etwas müssen wir erfahren, damit wir es reparieren können», sagt er. In anderen Landwirtschaftsbetrieben könne auch der Umgang mit Tieren gefährlich sein, ergänzt Benedikt Hellermann. «Letztes Jahr gab es einige Unfälle mit Mutterkühen und Stieren, teilweise mit schweren Verletzungen und sogar einen Todesfall. Auch die Alleinarbeit wird oft unterschätzt. Andere Ursachen für schwere oder tödliche Unfälle sind Gärgase, Abstürze oder Fahrzeugstürze im Gelände.»

«Arbeitssicherheit begleitet uns täglich, neben allen anderen Herausforderungen, die wir haben», sagt Rolf Etter. «Wir wollen gute Produkte produzieren. Das beginnt bei der Technik und hört bei der Unfallverhütung auf. Sie ist ein alltägliches Thema, das in einem derart vielfältigen Betrieb aber eine enorme Herausforderung darstellt.»

agriTOP und safely greifen der Landwirtschaft unter die Arme

Benedikt Hellermann betreut bei der BUL das Sicherheitskonzept der Landwirtschaft, die sogenannte Branchenlösung agriTOP, die gemäss EKAS-Richtlinie 6508 zertifizierte ASA-Lösung für die Landwirtschafts-Branche. «Wir bieten ein rechtskonformes Sicherheitskonzept für landwirtschaftliche Betriebe, die Angestellte oder Lernende haben, dadurch dem Unfallversicherungsgesetz unterstellt sind und ein Sicherheitskonzept nachweisen müssen», sagt er.

agriTOP umfasst unter anderem die Plattform safely, wo alle Dokumentationen und Tools zusammengefasst sind. «Wir bieten Betriebsaudits an, führen Grundkurse zur Ausbildung neuer SiBe auf den Betrieben an, und wir wirken beratend», sagt Hellermann. «Aktuell umfasst die Branchenlösung agriTOP rund 8700 landwirtschaftliche Betriebe. Grob geschätzt würde ich sagen, sprechen wir von mehreren 10’000 Mitarbeitenden, die unter dem Dach agriTOP in der Schweiz zusammengeführt sind.»

Bis ins Jahr 2021 gab es die Branchenlösung nur auf Papier. Dann wechselte sie auf eine digitale Plattform, nämlich auf safely. «Eine digitale Branchenlösung hat viele Vorteile», sagt Hellermann. «Man hat immer eine Lösung bereit, auf dem Handy, Tablet oder auf dem PC im Büro. Man hat immer die gleichen Unterlagen und die neusten Dokumente, weil nichts mehr händisch nachgeführt werden muss. Man kann direkt vor Ort eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, mittels Checklisten, sei es auf dem Feld, im Gewächshaus oder im Kuhstall. Man hat immer zur Hand, was man braucht.»

«Ein Betriebsleiter eines landwirtschaftlichen Betriebes hat immer mehrere Hüte auf – er ist SiBe, Chef, Familienvater, Produktionsleiter, und die Anforderungen werden jährlich mehr. Auch wir von agriTOP kommen mit zusätzlichen Herausforderungen», sagt Hellermann. Der Umstieg sei deshalb für viele noch eine Herausforderung. Wer jahrelang mit physischen Ordnern gearbeitet hat, muss sich nun an diese Web-Lösung gewöhnen. Jüngere und angehende Betriebsleiter seien schon deutlich digitaler unterwegs und hier sei es einfacher, neue digitale Hilfsmittel wie safely an den Mann oder die Frau zu bringen. «Aber auch älteren Betriebsleitern zeigen wir in speziellen Kursen den Mehrwert von safely auf, damit sie künftig verstärkt damit arbeiten», sagt Hellermann.

safely bei Bioleguma

«safely nutzen wir seit diesem Frühling», erzählt Rolf Etter. «Wir lernten es besser kennen, nachdem wir einen Unfall hatten, der zwar nicht sehr schlimm war, es aber hätte werden können. Wir trafen Massnahmen, doch die Mitarbeitenden hielten sie nicht ein. Wir mussten beweisen, dass wir diese Massnahmen trafen. Mit der BUL und mit safely haben wir nun ein Dokument erstellt, dass wir den Mitarbeitenden vorzeigen und von ihnen unterschreiben lassen können.»

Inzwischen nutzt Rolf Etter safely aber noch für vieles mehr: Neben der Meldung von Ereignissen und Mängeln beispielsweise auch für die Gefährdungsermittlung, für die Verkehrssicherheit, für den Mutterschutz, für Leitfäden und Dokumente und für Instruktionsvorlagen. «Diese Instruktionsvorlagen müssen wir – zusammen mit der BUL – teilweise selbst erstellen, basierend auf unseren sehr speziellen Gefährdungen. Es wäre super, wenn alle Betriebe da aktiv würden, das ergäbe eine Sammlung, von der auch andere Betriebe profitieren könnten. Wir alle müssen wissen, was wir machen, wie wir informieren und wie wir uns als als Betriebsleiter auch rechtlich absichern können.»

Einfache Methoden sind gefragt

Am meisten genutzt würden bei den an agriTOP angeschlossenen Betrieben die Module Gefährdungsbeurteilung sowie Ausbildung und Instruktion, weiss Benedikt Hellermann. Und auch das Modul, um Mängel oder Verbesserungsvorschläge zu melden, setze sich nun durch, «weil es simpel und effektiv ist», wie er sagt. «Man bringt den QR-Code an strategisch gut gelegenen Punkten an, informiert die Mitarbeitenden über den Sinn und Zweck des QR-Codes und sie können ihn scannen und Mängel mit Fotos melden.»

Auch für Rolf Etter ist das ein sehr wichtiges Instrument. «Wenn Mitarbeitende irgendetwas sehen, können sie ein Foto machen und mittels QR-Code auf safely laden», sagt er. «Das sind oft kleine Dinge, ein Wagenrad mit zu wenig Luft oder ein nicht funktionierender Blinker. Ich erhalte dann eine E-Mail und kann entscheiden, ob ich sofort reagieren muss oder ob es noch Zeit hat und ich es später erledigen kann. Trotzdem bleibt es erfasst.»

«Wir brauchen einfache Methoden, die schnell gehen – und die von den Mitarbeitenden verstanden werden», sagt Etter. «Sie müssen es einfach weitergeben können. Und wir selbst müssen uns absichern können. Sollte etwas passieren, müssen wir beweisen können, dass wir das Möglichste getan haben.»

Mit safely in die Zukunft: Mehrjährige Partnerschaft vereinbart

Einen direkten Einfluss von safely auf die Unfallzahlen kann die BUL bislang noch nicht direkt nachweisen. «Was wir aber sehen: Betriebe, die safely konsequent nutzen, haben ihre Gefährdungen deutlich besser im Blick und sind organisatorisch deutlich besser vorbereitet», sagt Benedikt Hellermann. «Das sehen wir beispielweise bei Betriebskontrollen oder auf Audits, wo diese Betriebe deutlich weniger Mängel aufweisen. safely ist für sie also ein Werkzeug, um Prävention einfacher und systematischer in den landwirtschaftlichen Alltag zu integrieren.»

agriTOP nutzt safely seit 2021 und Hellermann sagt: «Wir sehen ein enormes Potenzial, wie wir safely künftig in der landwirtschaftlichen Branchenlösung nutzen wollen. Deshalb haben wir entschieden, einen langjährigen Vertrag mit der Lobsiger & Partner GmbH einzugehen. Damit bieten wir unseren Mitgliedern eine stabile, bezahlbare und sich kontinuierlich weiterentwickelnde Plattform, die einen Mehrwert im Bereich der Prävention im Arbeitsalltag der landwirtschaftlichen Berufe ermöglicht. Wir von der BUL und von agriTOP sind überzeugt vom Nutzen der Digitalisierung, auch wenn noch nicht alle unserer Kunden diesen Mehrwert sofort sehen. Aber da arbeiten wir laufend daran.»

«Unsere Branche ist unter Druck», sagt Rolf Etter. «Wir müssen uns in viele Richtungen entwickeln. Das sind grosse Herausforderungen, vor allem auch für die vielen Familienbetriebe. Gleichzeitig müssen wir darum besorgt sein, dass wir bei der Unfallversicherung nicht schlechter dastehen als andere Gewerbe, sonst werden uns Massnahmen strafen. Mit der BUL haben wir eine sehr gute, praxisbezogene Lösung. Und safely ist ein Instrument, damit wir Arbeitssicherheit einfacher umsetzen können. Es ist wichtig, dass wir in der Landwirtschaft gemeinsam vorwärtskommen und uns die Aufgabe Sicherheit erleichtern.»

In Zusammenarbeit mit safely

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Chefredaktor safety-security.ch / CEO bentomedia GmbH / Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Betriebssanität SVBS / SFJ-Award für Qualitäts-Fachjournalismus

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