Rund 80 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Maienfeld und Zug. Rechnet man noch 90 Jahre dazwischen, gibt es eine grosse Gemeinsamkeit: an diesen beiden Orten wurden Brandmelder und die Branddetektion neu erfunden.
In den 1930er-Jahren tüftelte der ETH-Physiker Walter Jäger in seinem Elternhaus in Maienfeld an Prototypen für Ionisationskammern als Feuermelder. 1936 und 1937 liess er Lösungen patentieren, 1941 gründete er mit Ernst Meili in Bad Ragaz die Cerberus GmbH – und brachte 1946 eine erste Generation marktreifer Rauchmelder auf den Markt.
In den letzten Jahren tüftelten dann in Zug Experten von Siemens – zu der Cerberus ab 1998 gehörte – an einer neuen Generation von Brandmeldern. Nicht weit weg von Maienfeld und Bad Ragaz, aber fast ein Jahrhundert später. Und auch sie schafften einen Quantensprung und lancierten eine neue Generation von Brandmeldern: Sinteso Nova und Cerberus Nova.
Aber lassen sich Brandmelder tatsächlich neu erfinden? «Der Quantensprung ist gross», sagt Jürg Herzog, Country Head von Siemens Smart Infrastructure in der Schweiz. «Die Detektion an sich – vor allem die Detektion von Fehlalarmen – konnten wir stark verbessern. Eine andere Ebene sind die Daten, die ein solcher Melder produziert. Sie lassen sich intelligent nutzen.»
Schnellere und zuverlässigere Branddetektion
Zuerst zur Detektion an sich. Die neuen Brandmelder wurden im Brandlabor bei Siemens Smart Infrastructure detailliert getestet. Fazit: Sie erkennen einen Brand schneller und zuverlässiger als früher. Hinzu kommen nützliche neue Funktionen, wie beispielsweise:
- Die automatisierte Disturbance-Free Testing (DFT)-Technologie: Sie führt rund um die Uhr Selbst-Checks durch und reduziert so mögliche Systemausfallzeiten – anstatt wie bis anhin auf periodische Checks zu setzen.
- Die Smoke Entry Supervision (SES)-Technologie überwacht die Raucheintrittsöffnung in Echtzeit, so dass Betreiber unmittelbar eingreifen können. «Damit lässt sich überprüfen, ob ein Brandmelder abgedeckt ist», erklärt Jürg Herzog. «Für Umbauten werden sie oft abgedeckt, um Verschmutzungen zu vermeiden. Vergisst man diesen Deckel abzunehmen, erkennt man das nun sofort. Auch wenn in Hotels Brandmelder abgedeckt werden, um im Zimmer zu rauchen, wird das sofort erkannt.»
- Darüber hinaus minimiert die ASAplus (Advanced Signal Analysis)-Technologie Fehlalarme, indem sie optische Mehrwellenlängen-Sensorik mit dualer thermischer Detektion vereint. Damit werden beispielsweise unnötige Evakuierungsmassnahmen vermieden.
Daten intelligent nutzen
Die zweite Ebene der intelligenten Branddetektion betrifft genau solche Daten. Sie können intelligent zur Verfügung gestellt werden. Die vollständig IoT-fähigen Brandmelder sind mit cloudbasierten Anwendungen kompatibel – wie etwa mit den Building X Fire Apps von Siemens. Facility-Teams sowie Serviceanbieter erhalten relevante, nutzbare Dateneinblicke. Echtzeitüberwachung, Ferndiagnosen und vorausschauende Instandhaltung sind dadurch einfach und effizient möglich. Zwei Beispiele:
- Wenn sich bei einem Kunden das Equipment in der Produktion verändert – wenn mehr oder heissere Maschinen in Betrieb sind – kann das einen Einfluss auf die Detektion möglicher Brände haben. Auf Basis dieser erkannten und gesammelten Daten kann man den Brandschutz neu justieren.»
- Betreiber erhalten ein Abbild der Brandmeldezentrale auf das Mobiltelefon. Im Falle eines Brandalarms hilft das, den exakten Ort des Alarms schnell zu lokalisieren und Evakuierungsvorgänge gezielter und schneller einzuleiten.
Brandschutz für autonome Gebäude, Rechenzentren, Gesundheitswesen, Hochschulen oder Gewerbeimmobilien
Das neue Portfolio überführt den klassischen Brandschutz in einen proaktiven, intelligenten und vernetzten Ansatz. «Es erhöht die Betriebssicherheit, verbessert die Effizienz von Service- und Wartungsteams und erleichtert es, Systeme zu modernisieren», fasst Jürg Herzog zusammen. «Gleichzeitig ermöglicht die Cloud- Konnektivität datenbasierte digitale Services. Und: die Systeme erfüllen die Anforderungen verschiedenster Branchen wie Rechenzentren, Gesundheits- und Hochschulwesen oder Gewerbeimmobilien.»
- Rechenzentren sehen sich mit besonderen Anforderungen an den Brandschutz konfrontiert. Die Brandmelder Sinteso Nova und Cerberus Nova tragen nicht nur dazu bei, kritische IT- und Elektroinfrastrukturen verfügbarer zu machen, sondern geben auch mehr Einblicke in den Zustand der Systeme. Automatisierte Selbst-Checks, cloudbasierte Überwachung und vorausschauende Wartung ermöglichen es, schnell und proaktiv zu reagieren.
- Andere Branchen, wie beispielsweise das Hochschulwesen und der gewerbliche Immobilienbereich, betreiben häufig mehrere, räumlich verteilte Gebäude. Hier ist es ein zentralisiertes Brandschutzmanagement besonders essenziell. Die neuen Brandmelder von Siemens unterstützen dabei, über alle Standorte hinweg einheitliche Schutzstandards sicherzustellen.
«Das neue Brandmeldeportfolio stellt sicher, dass Alarme so präzise wie möglich sind», sagt auch Peter Nebiker, Head of Fire Safety bei Siemens Smart Infrastructure. «Durch den Übergang von periodischen Checks hin zu kontinuierlichen, datenbasierten und selbstüberwachenden Systemen schaffen wir die Grundlage für wirklich menschenzentrierte, autonome Gebäude. Automatisierte Tests, Echtzeiteinblicke und Fernzugriffe entlasten ausserdem das Personal.»
Schrittweise Modernisierung der Brandmelder und Brandmeldezentrale
Die neuen Brandmelder bestehen aus recycelten Kunststoffen und fördern ein umweltbewusstes Design, Ressourceneffizienz sowie Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Bestehende Brandmeldezentralen bleiben kompatibel, Anlagen müssen nicht vollständig ausgetauscht werden. Dank einer Plug-and-Play-Integration – einschliesslich der automatischen Übernahme konfigurierter Einstellungen – lassen sich die Systeme nahtlos modernisieren.
«Alles ist rückwärtskompatibel», sagt Jürg Herzog. «Man kann auch mit der Zentrale anfangen oder mit der Datenanalyse und dem Panel auf dem Mobiltelefon. Es gibt mehrere Wege, wie man eine Brandmeldeanlage in die Zukunft führen kann.»






